Erstmal von Anfang an: Generell wird eine Information erst gespeichert, wenn sie interessant ist oder eine Assoziation weckt. Ansonsten wird dieser “Gedankenschnipsel” schnell wieder gelöscht, da er nicht wichtig genug zu sein scheint. Dieses Selektieren von Informationen hilft uns dabei, dass wir nicht täglich mit einer Flut an Eindrücken zu kämpfen haben.

Verknüpft und gespeichert!

Die neue Information wird mit bereits vorhandenen Erfahrungen oder Empfindungen vernetzt. Das funktioniert besonders gut, wenn man motiviert und interessiert ist oder bereits passende Vorkenntnisse besitzt. Wenn du beispielsweise bereits eine ähnliche Vokabel gelernt hast oder du sie mit einer besonderen Erinnerung verknüpfst, merkst du sie dir daher besser. Dieser Vorgang des Merkens passiert übrigens manchmal auch unwillkürlich: Du kennst es bestimmt, wenn du dir Sachen merkst, die du eigentlich als unnütz einstufen würdest.

Zusammengefasst: An dem Merkvorgang beim Vokabellernen ist im Gehirn unter anderem das Gefühlszentrum beteiligt, aber auch das Sprachzentrum, das sich die Buchstabenfolge einprägt. Du solltest dich außerdem auf irgendeine Art mit der Vokabel beschäftigen, da sie sonst schnell wieder vergessen wird.
Gehirn vergleicht neues Objekt mit bereits Bekanntem.

Assoziieren und besser merken

Wenn du möchtest, dass die neue Vokabel länger im Kopf bleibt, als bis zum Vokabeltest am nächsten Tag, muss sie ins Langzeitgedächtnis gelangen. Das Langzeitgedächtnis ist ein sehr komplexes System, das viele Bereiche des Gehirns umfasst. Dementsprechend werden beim Auswendiglernen und Wiederholen von Vokabeln viele Hirnareale aktiviert. Das Gehirn mag es dabei, wenn neue Informationen in Assoziationen eingebettet werden: Wer nur Vokabeln aus dem Heft lernt, ohne weitere Sinnesreize, wird es daher schwerer haben als jemand, der einen Beispielsatz oder ein Bild dazu nimmt.

Wiederholen, wiederholen… und wiederholen!

Ob das Speichern einer Information erfolgreich verläuft, hängt außerdem davon ab, wie oft diese abgerufen wird. Mit anderen Worten: Wiederholen hilft beim Merken! Daher lohnt es sich beim Wortschatztraining regelmäßig dranzubleiben.

Zusammengefasst merkst du dir eine Vokabel am besten wenn du:

  • sie mit bereits bekannten Wörtern verknüpfst (z.B. in einer Mind Map).
  • einen Beispielsatz dazu formulierst.
  • beim Lernen verschiedene Sinne ansprichst (ein passendes Bild oder eine Animation ansehen, Aussprache anhören, selber sprechen, Bewegung dazu machen...)
  • eine Erfahrung damit verbindest, das deine Gefühle in dir weckt (ein Lied, das du magst, ein Ereignis im Urlaub,...).
  • … sie wiederholst: entweder durch regelmäßiges Verwenden im Sprachgebrauch oder beim Lernen mit der Methode deiner Wahl.

Verschiedene Methoden führen zu guten Ergebnissen

Wir sehen also: Es gibt verschiedene Aspekte, die berücksichtigt werden müssen, um ein erfolgreiches Vokabellernen zu ermöglichen. Es gibt verschiedene Lernmethoden, die diese Aspekte beachten. Eine beliebte Methode ist das Abschreiben: Denn, so sagt man, wer etwas abschreibt, hat es danach im Kopf.

Gehirn schreibt mit der Hand und tippt gleichzeitig auf der Tastatur

Handschrift oder Abtippen: Was schneidet besser ab?

In einer Untersuchung der Princton University wurde untersucht, wie gut die Studienteilnehmer:innen den Inhalt eines Vortrags wiedergeben konnten. Ein Teil hatte beim Vortrag handschriftlich Notizen gemachten, die anderen wiederum auf einem Computer getippt. Bei der reinen Wissensabfrage schnitten beide Gruppen ähnlich gut ab. Lediglich, als es um das Verständnis ging, hatte die “handschriftliche Gruppe” die Nase vorne. Das “Handschreiben” regte das Gehirn offenbar an, sich intensiver mit dem Inhalt des Vortrages zu beschäftigen. Die Abtipp-Gruppe konnte mehr Inhalte aufschreiben, während die handschriftliche Gruppe das Gehörte verstehen und verkürzen mussten, um den Vortrag verfolgen zu können.

Ist Abschreiben der heilige Gral beim Vokabellernen?

Diese Studie wird gerne als Beispiel verwendet, dass das Abschreiben die Nase vorn hat, auch beim Vokabellernen. Inwiefern man diese Studie auf das Vokabellernen übertragen kann, ist jedoch fragwürdig. Denn beim Vokabellernen handelt es sich um reines Faktenlernen: Ein Wort muss mit einem Bild und Klang verknüpft und auswendig gelernt werden. Es geht dabei nicht um das Zusammenfassen eines Inhaltes, wie in der Studie, sondern tatsächlich um das Auswendiglernen und Wiedergeben von Fakten. Daher können wir annehmen, dass hier der Faktor Verständnis eine eher untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Abschreiben ist nicht schlecht, aber es geht besser.

Ob du deine Vokabeln abtippst oder abschreibst ist egal. Wer seine Vokabeln nur in ein Dokument eintippt, wird keinen Erfolg haben. Genauso wird jemand, der seine Vokabeln einmal ins Heft schreibt, keinen Erfolg haben. Denn es ist entscheidend, was danach kommt: Und das sollte im besten Fall eine regelmäßige Wiederholung und Abfrage mit einer geeigneten Methode sein. Wie oben erwähnt ist es hilfreich, sensorische Reize und Assoziationen beim Lernen einzubauen: Du kannst beispielsweise die Karteikarte besonders gestalten oder mit einer App lernen, die eine Animation und einen Ton dazu abspielt.

Wer seine Vokabeln nur abtippt, wird keinen Erfolg haben - genauso wie jemand, der die Vokabeln nur einmal ins Heft schreibt. Entscheidend ist, was danach kommt: Nämlich die regelmäßige Wiederholung und Abfrage.

Klug sein und Digitales mit Analogem verbinden

In dieser Debatte geht es im Kern meist um die Annahme, dass mit digitalen Medien nicht so gut gelernt werden kann: Tippen ist schlecht, abschreiben ist gut. So einfach ist das im Leben natürlich nicht, dass man dies so pauschal unterteilen könnte.

Wie wir gesehen haben, kann die analoge Methode des Schreibens durchaus Vorteile haben: Beim Abschreiben werden motorische Reize mit eingebunden und außerdem kann auch mal schnell eine Skizze oder Farbe auf der Karteikarte landen.

Manchmal ist es aber auch mühselig, alle Vokabeln auf Karteikarten zu schreiben, um sie dann endlich lernen zu können. Die Möglichkeit, Vokabeln schnell in eine App zu holen via Abtippen, Download oder Scan-Funktion verkürzt dann den Weg zu den Lerneinheiten, die die Vokabeln wirklich ins Langzeitgedächtnis bringen.

Wichtig ist, dass die Methode der Wahl auf sensorische Reize sowie Assoziationen setzt und gezieltes Wiederholen fördert.

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Gehirn trainiert mit vielen Methoden gleichzeitig und ist glücklich

Die cabuu-Lernmethode

Als eine Ausgründung der Uni Tübingen sind wir ein Startup mit sprachwissenschaftlichem Hintergrund. Dementsprechend finden wir es wichtig, dass der Prozess des Lernens effektiv ist und dabei pädagogisch anerkannte Methoden verwendet werden. In der cabuu-App berücksichtigen wir die verschiedenen Anforderungen ans Vokabellernen:

  • Multisensorisch: Man lernt mit Bewegung und Gesten sowie mit Audio, Animationen und Bildern. So wird die Vokabel mit Sinneseindrücken verknüpft, was nachweislich zu einer besseren Gedächtnisleistung führt, als wenn man mit Bild und Text lernt.
  • Schreiben üben: Mit aufeinander aufbauenden Schreibübungen wird die Schreibweise der Vokabel solange eingeübt, bis sie sicher sitzt.

Vokabellernen - so individuell wie du!

Abschließend ein Fazit und endlich die Beantwortung der Frage: Musst du eine Vokabel abschreibend, damit du sie dir merkst? Die Antwort ist: Nein!

Wichtiger ist es, dass du den Wortschatz regelmäßig wiederholst, dich mit den Vokabeln mit möglichst vielen Sinnen beschäftigst und motiviert dabei bleibst. Dabei können unterschiedlichste Methoden zum Einsatz kommen. Und das Wichtigste: Hab Spaß dabei! Denn ohne Motivation bringt selbst die beste Methode nur wenig.

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