Wir wünschen uns, dass unsere Kinder eine gute Ausbildung bekommen, dass sie ihre Stärken erkennen und dabei individuell gefördert werden. Und dass sie auch im besten Fall Freude empfinden, eine neue Sprache zu lernen.

Diese guten Wünsche wirken Abends am Küchentisch oft wie ein naiver Wunschtraum: Auch bei der dritten Abfrage sitzen die Vokabeln noch nicht richtig. Das Kind ist genervt und frustriert - und du auch. Die Schulaufgabe ist in ein paar Tagen, was euch zusätzlich unter Druck setzt. 

Du möchtest nicht, dass zum Abendessen wieder alle schlecht gelaunt sind und du magst dich auch nicht in der Rolle des “Abfrage-Kommandos”: Ans Lernen erinnern, abfragen, wieder erinnern, Lernmethoden recherchieren...

Warum klappt das Vokabeln lernen nur so schlecht? Du möchtest deinem Kind den ganzen Ärger ersparen und die Zeit für den ganzen Vokabel-Aufwand lieber für etwas Schönes nutzen. Aber wie?

Schau dir unsere 8 Fehler beim Vokabeln lernen mit Kindern an und überprüfe, ob ihr euch darin wiedererkennt. Mit unseren passenden Tipps könnt ihr eure Lernroutine so anpassen, dass es nicht mehr zäh ist, sondern leichter von der Hand geht - für euch beide.

1. Dein Kind lernt zu viel auf einmal

Wenn der Karteikasten schon überquillt, möchte dein Kind am liebsten flüchten vor der Vokabel-Flut. Hier kommt der erste Tipp ins Spiel: Teilt euch die Vokabeln in “Häppchen” auf. Das ist für die Motivation viel schmackhafter, weil der Vokabel-Berg nicht mehr unbezwingbar scheint. Wenn die Vokabelliste sehr lang ist, unterteilt sie in Abschnitte und lernt diese nach und nach. Empfehlungen, wie viele Vokabeln man pro Tag lernen kann, reichen von 7 bis 10 Stück. Dies kommt auch immer auf die tägliche Verfassung an. 

In diesem Blogeintrag findest du noch mehr Tipps, wenn es viele Vokabeln zu lernen gibt.
Ein Mädchen sitzt am Schreibtisch und ordnet Karteikarten.
Teilt die Vokabeln vor dem Lernen auf - für eine bessere Übersicht.

2. Dein Kind lernt zu unregelmäßig

Ob das Speichern einer neuen Vokabel erfolgreich verläuft, hängt davon ab, wie oft diese abgerufen wird. Mit anderen Worten: Wiederholen hilft beim Merken! Daher ist es wichtig, beim Wortschatztraining dranzubleiben. Also nicht: Alles auf einmal und einen Tag vor dem Test - sondern: jeden Tag eine überschaubare Portion. Die regelmäßige Wiederholung sorgt dafür, dass der Wortschatz ins Langzeitgedächtnis wandert, wo er langfristig abgespeichert wird. Auch hilft die Regelmäßigkeit dabei, eine Routine zu entwickeln: So wird das Vokabeltraining zur Gewohnheit.

Ein aufgeschlagener Wochenkalender, in dem der Plan für das Vokabellernen eingetragen wurde.
Vokabeln lernen: Mit Regelmäßigkeit zum Ziel!

3. Dein Kind macht zu wenig Pausen beim Lernen

Beim Vokabeln lernen ist es wichtig, regelmäßig Pausen einzulegen. Denn das Gehirn braucht Zeit zum Verdauen, wenn es mit so vielen neuen Wörtern gefüttert wird. Je nach Tagesform sollte das Vokabellernen alle 25 bis 45 Minuten unterbrochen werden, um den Kopf zu entspannen. Kleine Aktivitäten wie an die frische Luft gehen, eine kleine Sportübung machen oder einmal das Lieblingslied anhören sind ideal: Dann geht’s wieder frisch weiter.

Eine Tasse mit aufgeschlagener Sahne, daneben ein Löffel. Außerdem Kopfhörer, aus denen Musik in Form von Noten kommt.
Lernpausen zwischendurch machen den Kopf wieder frisch.

4. Dein Kind hat keine Lernmethode 

Einer der wichtigsten Tipps für den Lernerfolg ist, dass die Vokabeln "schmackhaft" serviert werden: Anstatt nüchtern im Vokabelheft, lieber bunt garniert mit Bildern, Audio und Animationen. Bei der Lernmethode gibt es mittlerweile eine große Auswahl. Die klassischen Karteikarten kennt wohl du jeder. Ihr könnt die Karteikarten außerdem mit Farben, Skizzen und Stickern markieren, um sie interessanter zu gestalten. Post-its mit Vokabeln kannst du überall im Haus verteilen und so hat sie dein Kind auch im Alltag immer vor Augen. Wenn es auch gerne digital lernt, solltest du eine Vokabeltrainer-App verwenden, die einen Zeitplan erstellen kann und so bei der gezielten Vorbereitung und Wiederholung hilft. Ihr müsst euch nicht unbedingt für ein Mittel entscheiden, solange ihr einen Mix findet, der dein Kind effektiv beim Vokabeln lernen unterstützt. Denn die Vokabeln einfach nur anzuschauen, bringt leider nur wenig.

Wie effektiv ist das Abschreiben der Vokabeln, um sie sich zu merken? Lies in diesem Blogeintrag unsere Antwort darauf.
Eine Speisekarte, auf der verschiedene Methoden des Vokabellernens zu sehen sind.
Probiert verschiedene Lernmethoden aus und findet eine, die zu deinem Kind passt.

5. Ihr lernt mit einer ungeeigneten App

Die Zeiten, in denen das Smartphone nur als Daddel-Maschine angesehen wurde, sind vorbei. Mittlerweile gibt es eine große Anzahl an Vokabeltrainer-Apps, die das Lernen der Vokabeln vereinfachen. Besonders praktisch ist es, wenn die App beim Organisieren des Vokabellernens unterstützt, eigene Vokabeln eingegeben werden können und sie sogar einen Lernplan erstellt, damit dein Kind an das selbstständige Üben herangeführt wird. Die Vokabelabfrage sollte bei der App auch ohne Internet möglich sein, um eine Ablenkung durch Nachrichten zu verhindern. Probiert einfach ein paar aus, um den passenden digitalen Begleiter für dein Kind zu finden.

Lies hier weiter, wenn du dich für das effektive Vokabellernen mit dem Smartphone interessierst.
Eine Hand hält ein Smartphone. Zu sehen sind verschiedene Icons, die Vokabeltrainer-Apps darstellen sollen.
Eine Vokabeltrainer-App unterstützt beim strukturierten Lernen für den Test.

6. Dein Kind langweilt sich beim Vokabellernen

Das Vokabellernen wird meistens eher mit Gähnen assoziiert als mit Jubelschreien. Grund dafür sind meistens vollkommen eintönige und ungeeignete Lernmethoden wie direkt aus dem Buch lernen und ins Vokabelheft abschreiben. Dabei ist es wichtig, die Sprache, die dahinter steckt, lebendig zu machen. Zum einen prägt sich dein Kind die Vokabeln besser ein, zum anderen macht es auch viel mehr Spaß und die Motivation ist höher. Wenn die Karteikarten mal wieder zum Hals raushängen, könnt ihr sie verschönern: mit passenden Skizzen, die fortan mit der Vokabel assoziiert werden. 

Eine Vokabel merkt sich dein Kind auch leichter, wenn es in einem Kontext gesetzt wird. Das heißt: Nicht nur die Wörter auswendig lernen, sondern immer einen Beispielsatz dazunehmen. Und wer sagt, dass dein Kind alleine lernen muss? Ermutige das Kind auch mal mit seinen Freund*innen zu lernen, um sich gegenseitig abfragen und witzige Eselsbrücken zu komplizierten und schwer zu merkenden Vokabeln auszudenken. Altersgerechte Videoclips oder Hörspiele zu Themen, die das Kind wirklich interessieren, können eine zusätzliche Motivation sein.

Ein Mädchen kuschelt mit einem Esel. Daneben eine Sprechblase, in der eine Brücke zu sehen ist und auf das Wort "Eselbrücke" anspielt.
Im Kontext und mit Eselsbrücken lassen sich auch schwierige Vokabeln merken.

7. Vokabeln lernen mit allen Sinnen

Diesen Tipp kennst du bestimmt schon: Wer beim Lernen möglichst viele Sinne aktiviert, lernt besser. Manchen hilft es, wenn sie das Wort wiederholt aufschreiben, anderen, wenn sie es anhören oder aussprechen. Vielleicht möchtet ihr einen Reim machen oder das Wort singen. Probiert aus, was am besten für dein Kind funktioniert. Oder verwende eine Kombination aus allem: je vielseitiger, desto besser.

Ein Ausschnitt aus einer Filmszene, in der eine Frau und ein Mann zu sehen ist. Im Untertitel des Filmes steht: "Oh no - my heart. Don't you love me Miguel?"
Altersgerechte Filme oder Bücher helfen beim spielerischen Ausbau des Wortschatzes.

8. So bleibt es drin: klatschen, treten, winken

Halt! Dieser Tipp bedeutet nicht, dass dein Kind den Karteikasten zertreten muss. Aber:  Passende Bewegungen und Gesten maximieren den Lernerfolg und das auf eine unterhaltsame Art: Wenn dein Kind beispielsweise das englische Wort “punch” für “schlagen” lernen möchte, könnte es mit der Faust eine Box-Bewegung andeuten oder bei “wave” winken, während es ausgesprochen wird. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Lernmethode hilft, sich Vokabeln viel schneller und länger einzuprägen, als wenn sie nur abgelesen werden. Eigentlich ist das logisch: Wer mal etwas selber gemacht hat, merkt es sich auch leichter.

Möchtest du wissen, warum diese Lernmethode so gut funktioniert? Hier erfährst du mehr darüber.
Ein Mädchen, das winkt.
Mit Gesten maximiert dein Kind den Lernerfolg und merkt sich die Vokabeln besser.

Unser Bonus-Tipp, wenn’s brennt

Hast du das Gefühl, dass dein Kind gar nicht mehr hinterherkommt mit dem Vokabellernen? Wenn ihr an diesem Punkt angekommen seid: keine Panik! Es gibt einen smarten Tipp, wie dein Kind effizient aufholen kann, ohne die alten Schulbücher und Vokabellisten herauszukramen. Lerntherapeutin Helke Voss-Becher vom Leno-Verlag hat ihn uns verraten.

Übt die häufigsten Vokabeln zuerst! Besorgt euch Listen, wo Vokabeln der Häufigkeit nach geordnet sind. Diese findest du innerhalb kürzester Recherche im Netz. 

Warum macht das Sinn?

“Grundwortschatz”, oder auch “Minimalwortschatz” genannt, bedeutet die Menge an Wörtern, die nötig ist, um einen Großteil eines beliebigen Textes zu verstehen. In Englisch umfasst der Grundwortschatz rund 850 Wörter. Wenn dein Kind die 1000 häufigsten Wörter gelernt hat, kann es beispielsweise 88 % der gesprochenen Sprache verstehen. Im Vergleich: Ein Muttersprachler nutzt rund 750 verschiedene Wörter täglich.

Vielleicht motiviert euch das, gleich zu starten: Hier findest du eine Liste mit den 200 häufigsten Vokabeln, die du in der cabuu-App lernen oder alternativ als PDF downloaden kannst.

Auf dem Bild sind verschiedenste Dinge zu sehen: Ein Spiegel, ein Buch, eine Gitarre, ein Vogel... in der Mitte ist das Wort "Grundwortschatz" zu lesen.
Wer den Überblick verloren hat, eignet sich am besten erstmal den Grundwortschatz an.

Eine kleine Zusammenfassung zum Schluss:

Unsere Tipps, damit dein Kind wieder mehr Freude beim Vokabellernen hat

  • Die Vokabeln vor dem Lernen in Portionen aufteilen, damit dein Kind nicht von der Masse an Lernstoff “erschlagen” wird. 
  • Lieber jeden Tag ein wenig lernen und wiederholen, anstatt unregelmäßig große Mengen.
  • Regelmäßig Verschnaufpausen einlegen, egal ob beim Lernen oder bei der Abfrage.
  • Probiert Lernmethoden aus, die unterschiedliche Sinne aktivieren. Nicht nur aus dem Buch oder Vokabelheft lernen!
  • Probiert Vokabel-Apps aus.
  • Abwechslung sorgt für anhaltende Motivation: Vokabellern-Spiele, altersgerechte Videos und Bücher fördern den Aufbau und Festigung des Wortschatzes.
  • Macht passende Gesten oder Bewegungen zur Vokabel.
  • Baut erstmal einen soliden Grundwortschatz auf, falls dein Kind den Anschluss verpasst hat.

Suchst du nach Vokabellisten?

In diesen Blogeinträgen haben wir welche für dich gesammelt - kostenlos zum Download: